BILD 🔵 Kolumne „Meine Bayern“: Wer an Tuchels Stuhl sägt – und wer der beste Nachfolger wäre – Shango Media
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BILD 🔵 Kolumne „Meine Bayern“: Wer an Tuchels Stuhl sägt – und wer der beste Nachfolger wäre

„Meine Bayern“ heißt die Kolumne von SPORT BILD-Reporter-Legende Raimund Hinko, die sich mit dem deutschen Rekordmeister befasst. Hinko begleitet den FC Bayern seit Jahrzehnten.

Lieber Xabi Alonso,

zuallererst möchte ich Dich vor einem schweren Fehler bewahren. Geh’ bloß nicht als Nachfolger von Jürgen Klopp zum FC Liverpool. Dort treiben sich schon Betrüger rum, die in Deinem Namen um Spenden betteln, damit Du neue Spieler kaufen kannst. Auch wenn sie mittlerweile aufgeflogen sind als Mitglieder einer thailändischen Mafia-Bande – es werden stürmische, ungemütliche Zeiten, wenn Klopp im Sommer dort Schluss macht.

Leverkusen in Top-Form Die Bayern-Gegentore im Video

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Warum ich so eine große Kurve mache, um Dir einen guten Rat zu geben? Weil Du schon einmal vor der Wahl gestanden hast zwischen Bayern und Liverpool. Es war 2016, als Dich Liverpool zurückholen wollte nach fünf erfolgreichen Jahren als Spieler zwischen 2004 und 2009. Nach noch erfolgreicheren Jahren zwischen 2009 und 2014 bei Real Madrid. Doch nach zwei Meisterschaften mit Bayern (2015 und 2016) unter Pep Guardiola wollte Dich sein Nachfolger Carlo Ancelotti noch ein drittes Jahr an die Bayern binden.

Du hast Dich damals für München entschieden, gegen Liverpool, Klub-Patron Uli Hoeneß spricht von Dir nur in höchsten Tönen. Du hast mir damals gesagt: „Meine Familie, wir alle fühlen uns sehr wohl. Meine Kinder mögen das Leben hier, das ist für mich als Familienvater sehr wichtig. Ich kann die Zeit viel besser genießen, wenn es meiner Familie gutgeht. Was wollen wir mehr?“ Dann hast Du Liverpool abblitzen lassen, bist belohnt worden mit der Meisterschaft 2017. Hast Deine Spielerkarriere an der Säbenerstraße beendet und nach einem Jahr Pause als Trainer der U14 (!) von Real Madrid als Trainer begonnen, ehe Du die Reservemannschaft Deines Heimatvereins in San Sebastian übernommen hast. Und dann erst Bayer Leverkusen. Vorbildlich für alle Kollegen, die glauben, auf Anhieb die großen Stars trainieren zu können.

Ich erzähle das, ohne dem Verdacht zu erliegen, am Stuhl von Thomas Tuchel zu sägen, den ich für einen guten Trainer halte. Doch er hat sich bei Bayern praktisch selbst abgesägt. Viele haben die Worte von Thomas Müller so ausgelegt, dass er die Mitspieler kritisiert. In Wirklichkeit war es („Leverkusen zockt Fußball, uns fehlt die Freiheit. Wir sind verkopft. Wir spielen von A nach B, von B nach C. Warum nicht mal ein langer Ball, der ins Aus geht, damit wir zustellen können?“) ein wohlformulierter Aufstand gegen den Trainer. Emotional und dennoch von hoher Intelligenz. Genauso wie die Worte von Joshua Kimmich, er habe mit der unverständlichen Entscheidung Tuchels bei der Aufstellung zu leben.

Selten wurde ein Kimmich mit all seinen Qualitäten mehr vermisst als in Leverkusen. Im Grunde müsste der Vorstand und Aufsichtsrat die beiden Spieler hoch bestrafen, was niemand wagen wird, weil es einen Fan-Aufstand zur Folge hätte, angesichts der Fehler von Tuchel. Seine Fehler, in Leverkusen u.a. mit einer Mannschaft von unerfahrenen, gejetlagten oder halbverletzten Spielern anzutreten, ist in der Geschichte des FC Bayern wohl einmalig. Auch nicht zu vergleichen mit Carlo Ancelotti, der 2017 beim 0:3 in Paris auf Arjen Robben, Franck Ribéry und Mats Hummels verzichtete. Ancelotti, der momentan weltweit wohl höchstgeachtete Trainer von Real Madrid, wurde damals von Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge umgehend entlassen.

Also, lieber Xabi Alonso, ich säge an keinem Stuhl. Das hat der Kollege selbst erledigt. Aufhorchen ließ mich bereits vor dem 0:3 der ARD-Experte Thomas Broich, der Professor aller Kommentatoren, in der Abendzeitung. „Leverkusens Spiel wirkt absolut kontrolliert und am Ende fühlt es sich doch an wie ein Überfall.“ Und: „Ihre Angriffe sehen wie gemalt aus, entwickeln sich organisch.“ Und: „Aktuell spielt Bayern eher so, dass sie den besten Kader und die besten Einzelspieler haben. Doch das Avantgardistische wie unter Pep Guardiola und auch Hansi Flick ist jetzt weg.“

Tuchel nahm Entschuldigung nicht an Neuer Verdacht zum Bayern-Krach mit Hamann

Neuer Verdacht zum Bayern-Krach mit Tuchel und Hamann

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Worte mit wahrem Durchblick und großem Wahrheitsgehalt im Vergleich zu manch plappernden TV-Kollegen. Was wird wohl Jamal Musiala, genau wie Harry Kane vorne immer mehr allein gelassen, seinem Entdecker Hansi Flick hinterherweinen? Es gibt nur eine Lösung: Musiala nie mehr auf die Flügel, Musiala in die Tiefe des Mittelfelds, als Zulieferer für Kane. Und Müller auf die 10. Wobei eine Lösung als Spielertrainer unter der Aufsicht von „Tiger“ Hermann Gerland auch seinen Charme hätte!

Vielleicht wäre es die beste Lösung, Flick sofort für ein, zwei Jahre übernehmen zu lassen, ehe Du, lieber Xabi Alonso wieder mit Deinen Kindern den Viktualienmarkt bevölkerst. Wie sagtest Du 2016 zu mir: „Ein Champions-League-Titel mit Bayern wäre wirklich etwas sehr Spezielles für mich. Ich hätte dann mit drei unterschiedlichen Klubs diesen Erfolg erreicht (2005 mit Liverpool, 2014 mit Real Madrid). Es gibt also noch Ziele, die ich mir gesteckt habe.“ Also los!

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