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90 MIN đŸ”” Spanien: Warum das Frauen-Nationalteam gegen seinen Willen spielen muss

Die Turbulenzen im spanischen Frauenfußball erreichen einen neuen Höhepunkt. Vor dem Nations-League-Start stehen Spielerinnen und Verband weiter im Konflikt. So stellt sich die aktuelle Situation dar.

Im Protest gegen den Verband waren die spanischen Nationalspielerinnen in den Streik getreten: Sie fordern nach dem Übergriff von Ex-PrĂ€sident Luis Rubiales bei der WM-Siegerehrung grundsĂ€tzliche und strukturelle VerĂ€nderungen. Der Verband beschloss nun, sie trotzdem einzuladen – wegen eines spanischen Gesetzes mĂŒssen die Spielerinnen nun gegen ihren Willen zum Nationalteam fahren.

Die Spielerinnen hatten angekĂŒndigt, sich auch nach dem RĂŒcktritt von Rubiales und der Entlassung von Trainer Jorge Vilda weiter aus dem Nationalteam zurĂŒckzuziehen. Ihnen gingen die personellen VerĂ€nderungen nicht weit genug, denn die strukturellen Probleme seien nicht gelöst worden.

Der spanische Verband RFEF beschloss nun, nicht auf ihre Forderungen einzugehen. Stattdessen nominierte Montse TomĂ©, die frĂŒhere Assistentin von Jorge Vilda und seine interimsmĂ€ĂŸige Nachfolgerin, die Spielerinnen trotz des angekĂŒndigten Streikes.

Die Spielerinnen waren davon selbst ĂŒberrascht: Sie erfuhren laut dem spanischen Medium Relevo von ihrer Nominierung fĂŒr den Kader erst ĂŒber das Fernsehen, sie wurden vorher nicht angerufen. In einem Statement teilten sie ihre VerblĂŒffung ĂŒber den Schritt des Verbandes mit: “Wir bedauern dass uns der Verband erneut in eine Situation bringt, die wir nie gewollt hĂ€tten”, schrieben sie.

Nicht nominiert wurde Jenni Hermoso. Montse TomĂ© erklĂ€rte, dass sie damit die Spielerin schĂŒtzen wolle, die zuvor Opfer des Übergriffes von Luis Rubiales geworden war. Hermoso antwortete mit einem scharfen Statement: “Wovor beschĂŒtzen? Wir haben seit Wochen, sogar Monaten, den Schutz der RFEF gesucht, der nie kam”, schrieb sie. Hermoso nannte die Nominierung ihrer Kolleginnen eine weitere Strategie der Manipulation, mit der der Verband einen Keil zwischen die Spielerinnen treiben wolle.

Die Spielerinnen kĂŒndigten zunĂ€chst an, zu prĂŒfen, ob sie wirklich der Nominierung nachkommen mĂŒssen. Jetzt sind sie zu dem Schluss gekommen, dass es unmöglich ist, nicht zum Nationalteam zu reisen. Das liegt an einem spanischen Gesetz, nach dem die Athleten und Athletinnen sich nicht weigern dĂŒrfen zum Nationalteam zu fahren. Falls sie es doch tun, kann der jeweilige Verband ihnen die Lizenz entziehen – sie könnten also nicht mehr fĂŒr Barcelona, Real Madrid und Co. spielen.

So sind die Spielerinnen jetzt in der absurden Situation, dass sie trotz des Streikes spielen mĂŒssen. Der Verband bemĂŒhte sich, das Medieninteresse an der Situation klein zu halten. Spontan wurde ein Teil des Lagers daher von Madrid nach Valencia verlegt, damit möglichst wenige Journalisten das Camp begleiten können.

Von Valencia aus muss ein Teil der Spielerinnen laut Relevo dann nochmal Bus fahren, um auf einem Platz ohne Flutlicht zu trainieren – Abgelegenheit scheint dem Verband wichtiger als gute Trainingsbedingungen. TorhĂŒterin Misa Rodriguez, die mit dem anderen Teil der Spielerinnen in Madrid untergebracht ist, antwortete auf die Frage, ob sie glĂŒcklich sei, im Kader zu stehen, mit einem klaren “Nein!”

Misa Rodriguez

TorhĂŒterin Misa Rodriguez / Catherine Ivill/GettyImages

Das Verhalten des Verbandes sorgte fĂŒr viel Empörung. Die Schweizer Nationalspielerin Ana-Maria Crnogorcevic bekundete ihre SolidaritĂ€t mit den Spanierinnen:

“Das ist verrĂŒckt… wie kann man seine eigenen Spieler so bedrohen… 😳 Sie berufen sie zur Nationalmannschaft, obwohl sie sagten, sie wollen klare VerĂ€nderungen, bevor sie zurĂŒckkommen! Das ist soooo respektlos… Offensichtlich ist es ihnen egal … und sie erlauben ihnen nicht, ihre eigene Entscheidung zu treffen 😔”, schrieb sie auf X (vormals Twitter).

Am Freitag steht nun ein Spiel an: Spanien spielt in der Nations League gegen Schweden. FĂŒr La Roja ist es ein sportlich extrem bedeutendes Spiel, das vermutlich maßgeblich ĂŒber den Gruppensieg und damit auch ĂŒber die Olympia-Qualifikation entscheidet. Das Re-Match des WM-Halbfinales wird aber in jedem Fall von dem Konflikt mit dem Verband ĂŒberschattet.

Die Frage ist nun, wie Spaniens Spielerinnen reagieren: Werden sie die Begegnung boykottieren oder normal spielen? Es ist damit zu rechnen, dass sie sich mit Schweden austauschen. Die schwedische Mittelfeldspielerin Filippa Angeldal sagte: “Wir möchten, dass sie wissen, dass sie unsere volle UnterstĂŒtzung haben und dass andere Nationen hinter ihnen stehen, wenn sie eine Entscheidung treffen. Wenn sie glauben, dass ein Boykott des Spiels notwendig ist, um einen Wandel herbeizufĂŒhren, stehen wir an ihrer Seite.”

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